Definition Die myofunktionelle Therapie (MFT) (griechisch mys = Muskel) ist eine Behandlungsmethode, mit der vor allem im Kindesalter Fehlfunktionen der Kau- und Gesichtsmuskulatur verbessert und falsche Schluckgewohnheiten beseitigt werden können. Herkunft Die Feststellung, dass muskuläre Fehlfunktionen vor allem im Gesichtsbereich sich negativ auf die Sprachbildung und die Gebissmorphologie auswirken können, führte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zur Entwicklung verschiedener Gesichtsmuskelübungen. In den 1960er Jahren stellte Walter J. Straub ein erstes myofunktionelles System bei Sprachfehlern vor. In der Folge entstanden in den USA zahlreiche MFT-Programme. Das heute in Europa gebräuchliche Therapiekonzept der myofunktionellen Therapie geht auf den amerikanischen Sprachpathologen Daniel Garliner zurück, der in den 1970er Jahren zahlreiche wissenschaftliche Artikel zur myofunktionellen Therapie veröffentlichte und unter anderem in Deutschland Kurse durchführte. Sein didaktisch praktikables System wird inzwischen in ganz Europa von verschiedenen Schulen gelehrt und weiterentwickelt. Grundlagen Die myofunktionelle Therapie wird zur Behandlung von sogenannten myofunktionellen Störungen angewandt. Dabei handelt es sich um Störungen im Bewegungsmuster und in der Grundspannung der inneren und äusseren Mundmuskulatur. Normalerweise sind die Kräfte der Zunge und der anderen Muskeln im Mund ausgeglichen und ermöglichen durch ihr harmonisches Zusammenspiel den reibungslosen Ablauf des Schluckvorgangs. Bei einer myofunktionellen Störung ist der Schluckvorgang gestört: Die Zunge wird beim Schlucken meist nicht nach oben gegen den harten Gaumen gepresst, sondern gegen oder zwischen die Vorder- und die Backenzähne. Dadurch kann die Zunge Speisen, Getränke oder den Speichel nicht mehr in ausreichendem Mass transportieren und die umgebende Mundmuskulatur übernimmt einen Teil dieser Funktionen. Ein derartiges falsches Schluckverhalten kann weitreichende Folgen für die Muskulatur des Mundbereichs und für die Zähne haben: Eine falsche Zungenruhelage, Aussprachestörungen, ständige Mundatmung und dadurch erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen, Fehlstellungen der Zähne, Fehlbildungen des Kieferknochens und Kiefergelenksbeschwerden sind die häufigsten Erscheinungsbilder einer myofunktionellen Störung. Dazu kommen Beeinträchtigungen der Gesichtsmuskulatur sowie Probleme mit dem Grundtonus und der Haltung des ganzen Körpers. |
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Wann macht eine Myofunktionelle Therapie Sinn? Eine myofunktionelle Therapie wird dann benötigt, wenn eine Störung der Muskelfunktionen im Mund- und Gesichtsbereich vorliegt. Oft steht sie im Zusammenhang mit Problemen der Körperspannung und -haltung. |
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Mögliche Folgen einer Myofunktionelle Störung
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Körperhaltung, Zahn- und Kieferstellung
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Mund- oder Nasenatmung Atmung ist lebensnotwendig für unseren Organismus. Störungen wie beispielsweise Atmen durch den Mund haben weitreichende Auswirkungen auf unseren Körper. Eine offene Mundhaltung ist immer mit einer Fehlatmung verbunden und führt meist zu einer Mundatmung. Der fehlende Kontakt des Zungenrückens mit dem harten und weichen Gaumen führt zum Verlust des wachstumsstimulierenden Reizes auf den Gaumen. Ein Kräfteungleichgewicht zwischen Wangen, Lippen und Zunge entsteht. Mundatmung führt zu Anfälligkeit von Infekten und Atemwegserkrankungen, zu Belüftungsstörungen des Mittelohrs, Neigung zu Mittelohrentzündungen, mögliche Hörminderung mit Sprachentwicklungsstörungen. Ebenfalls resultieren verengte Nasengänge und Verminderung des Geruchssinnes. Durch eine Mundatmung wird dem Körper 48% weniger Sauerstoff zugeführt als bei einer Nasenatmung. Mögliche Folgen sind Konzentrationsprobleme, Müdigkeit und blasse Hautfarbe. Bekannt sind ebenfalls Schnarchen und andere Schlafprobleme, verkürzte Oberlippe und wulstige, schwache Unterlippe und rissige, trockene, spröde Lippen und Hautirritationen um den Mund. Es kann zu Entmineralisierung der Zähne und Karies führen. Vergrösserte Gaumen- und Rachenmandeln, vermehrter Speichelfluss sowie Kiefer- und Zahnfehlstellungen gehören ebenfalls zu den Folgen einer offenen Mundhaltung. |
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Schlucken Physiologisch atmet der Mensch durch die Nase. Die Zunge ist im ganzen Körper der beweglichste Muskel. Er ist nur an einem Ende befestigt und kann sich mit Leichtigkeit in seiner Umgebung bewegen. Jedes Hindernis, einschliesslich der Zähne, versucht dieses Muskelpacket aus dem Weg zu räumen. In einer Zeitspanne von 24 Stunden schlucken wir durchschnittlich 2'000 Mal. Die ausgeübte Zungenkraft liegt bei jedem Schlucken zwischen einem bis drei Kilogramm und wirkt 0,1-0,2 Sekunden. Summiert ergibt dies ein Druck von 1'500 bis 6'000kg, welcher innerhalb der Mundhöhle ausgeübt wird. Bei einem abweichenden Schluckmuster wird die Zungenspitze gegen oder zwischen die Zähne gepresst. Beim normalen Schlucken gleitet die Zunge gegen den Gaumen. Beim anomalen Schlucken liegt die Zunge an den Zähnen. Gerät die Zunge in Überlegenheit wird sie die Zähne verdrängen. |
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